Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK)

«Clouded Judgements», Mieke Bal, 06.11.2017
Über das Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK)

Das Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich versteht sich als Zusammenschluss von ForscherInnen aus den Film-, Literatur- und Kunstwissenschaften, die das kulturtheoretische Potential ästhetischer Prozesse erforschen wollen.

Dass die unterschiedlichen Künste stets Gegenstand, Spielwiese oder Anwendungsgebiet von Kulturtheorien sind, gehört zum Alltagsgeschäft der Film-, Literatur- und Kunstwissenschaften. Die ForscherInnen des ZKK interessiert jedoch eine andere Perspektive auf die Künste: die Spezifik künstlerischer Erkenntnis für die Herausbildung von Kulturtheorien. Dabei sollen die kritischen, selbstreflexiven und projektiven Dimensionen der Künste in Neuzeit, Moderne und Gegenwart, aber auch in globalhistorischer Perspektive aufgearbeitet werden. Die Künste werden somit nicht bloss als Gegenstand von Theoriebildung betrachtet. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie implizit theoretische Entwürfe enthalten und selbst immer wieder Impulse zur Überwindung überkommener heuristischer Konzepte in den Wissenschaften, der Kulturtheorie sowie in anderen Disziplinen geben. So wären etwa die russische formale Schule ohne den russischen Futurismus, das von Roland Barthes entwickelte Konzept der écriture ohne den Nouveau Roman oder die anhaltende Diskussion rund um eine literarische Materialästhetik ohne die zeitgleich betriebenen Experimente der Neoavantgarde und der Popliteratur kaum denkbar.

Kinder beobachten. Der kindliche Blick im Film

Details verbergen

Prof. Dr. Daniel J. Wiegand (Universität Zürich)

moderiert von Prof. Dr. Klaus Müller-Wille

Seit ihrer „Entdeckung“ im 18. Jahrhundert steht Kindheit im Fokus eines gesamtgesellschaftlichen Interesses, das mit einer ganzen Reihe kulturtheoretischer und -kritischer Überlegungen und Fragen verknüpft ist: Auf der schwer verfügbaren Schwelle zur symbolischen Ordnung stehend, veranschaulichen Kinder in der Moderne einen unmarkierten Raum, der in der Art einer „black box“ (Luhmann) nicht nur besondere Wissensanstrengungen auf sich zieht, sondern auch zu Projektionen und Fiktionen einlädt. Für das kulturelle Selbstverständnis dient das Kind als Spiegel, in dem sich die Gegenwart ebenso entlarven soll, wie sich die Gesellschaft ihrem eigenen Ursprung auf der Spur wähnt oder in die Zukunft blickt. Daher ist der Kindheitsdiskurs immer auch von einer Ästhetik strukturiert, die in Literatur und Kunst freien Ausdruck findet. Im Lichte dieser Überlegungen geht der interdisziplinär konzipierte Jahresschwerpunkt, organisiert von Prof. Dr. Davide Giuriato, Prof. Dr. Klaus Müller-Wille, dem Zusammenhang von Kulturtheorie und den Künsten am Gegenstand einer zentralen Denkfigur der Moderne in der Malerei, der Literatur, den Medien und dem Film nach.