Performance Programm: «Fun & Fury!»

«Still Leben», Camilla Parini, curated by progetto6000, 21.05.2018

Unter dem Titel «Fun & Fury!» veranstalten wir jeden zweiten Dienstag einen «Performance Dienst-Tag» mit nationalen und internationalen Künstler/innen, welche von vier Kurator/innen eingeladen werden. Der «Performance Dienst-Tag» ist ein Dienst, den wir Ihnen bieten, aber auch ein Dienst, den Sie der Kunst erbringen.

Für ein Jahr stellen wir das Museum Cabaret Voltaire zudem einem/r Künstler/in zur Verfügung. Die/der Künstler/in gestaltet eine «Performative Installation», die aus dem Hintergrund Einfluss auf die Performances nimmt. Das Cabaret Voltaire wird so Ort der Vision, Utopie und Imagination eines/r einzelnen Künstlers/in und ihrer/seiner Interpretation des Ortes.

 

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Begriff «Performance»
Der Begriff «Performance» kam in den 1960er und 1970er Jahren auf, um eine neue Form der Kunst zu beschreiben, welche den Rahmen der Darstellenden und der Bildenden Künste sprengte. Zu dieser Zeit veröffentlichten die noch lebenden Dadaisten ihre Geschichte von Dada. Die Performance Kunstbewegungen wurden als eine Fortsetzung von Dada verstanden, so hiess die «Fluxus» Bewegung zunächst «Neodada». Der Dadaist Hans Richter widmete das letzte Kapitel seines Buches «Dada – Kunst und Antikunst» (1964) «Neodada». Der Begriff «Performance» basiert auch auf der Sprechakttheorie von John Austin, die er 1955 unter dem Titel «How to Do Things with Words» in Vorlesungsreihen an der Harvard University präsentierte. Austin prägte auch den Begriff der Performativität, welcher verdeutlicht, dass Sprechen auch eine absichtliche Tat sein kann. Performative Sätze dienen dazu «etwas zu tun». Die Performance Kunstgeschichte, die RoseLee Goldberg erstmals 1978 veröffentlichte und seither aktualisiert (2014 erschien die neuste Auflage), beginnt beim französischen Autoren und Theatermacher Alfred Jarry und seinem Stück «Ubu Roi». Hans Arp las am 14. März 1916 im Cabaret Voltaire an der «Französischen Soirée» Teile aus «Ubu Roi». Goldberg erzählt die Geschichte der Performance Kunst weiter, indem sie vom italienischen Futurismus berichtet, der von Filippo Tommaso Marinetti begründet wurde. 1906 veröffentlichte Marinetti das «Futuristische Manifest», das auch den Dadaisten bekannt war, so dass sie zur Geburt von Dada im Cabaret Voltaire «Futuristische Plakate» anbrachten und im ersten «Cabaret Voltaire» Magazin 1916 auch futuristische Gedichte, «Parola in Liberta», von Marinetti veröffentlichten. Der russische Futurismus, welcher von Kazimir Malevich mitgeprägt wurde, wird mit seinen gigantischen Inszenierungen zu Beginn der Soviet Zeit als dritter Punkt in Goldberg’s Performance Kunst Geschichte genannt, um dann zu Dada und dem Surrealismus zu gelangen. Auch das Bauhaus, das von einigen Dadaisten mitgeprägt wurde, ist Teil dieser Frühgeschichte der Performance Kunst vor dem Zweiten Weltkrieg. Danach geht es mit dem Black Mountain College, Happenings und Fluxus weiter, wo Performance mit Punk und Camp in die Pop Kultur der 80er Jahre übergeht. Eine Welle aus dem ehemaligen Ostblock verschaffte der Performance Kunst vor über 30 Jahren eine neue Dringlichkeit, so dass sie als eine etablierte Kunstform betrachtet werden kann, die jüngst wieder an einen Höhepunkt gelangt ist.