Das Museuem Cabaret Voltaire ist der Geburtsort von Dada. Wir stellen Dada als historisches Kulturerbe ins Zentrum und verstehen Dada als eine Vision aus der Vergangenheit, als ein Stern, an dem man sich orientieren kann. Das Museum Cabaret Voltaire versteht sich als ein Kompetenzzentrum und kulturell und kulturhistorisch bedeutender Ort der philosophischen und künstlerischen Auseinandersetzung mit Dada.

Als Geburtsort von Dada setzte das Cabaret Voltaire einen der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Performance. Daher schauen wir nicht nur auf jenen bestimmten Zeitpunkt vor 100 Jahren, als Dada entstand und wirkte, sondern von heute auf den gesamten Zeitraum von 100 Jahren.

Heute ist Performance eine etablierte Kunstform. Sie erlebt aktuell wieder einen Höhepunkt. Performance ist sehr en vogue – ein Trend, der ein enormes Zukunftspotenzial birgt. Wir untersuchen diesen gegenwärtigen Performance Trend, die Position des Cabaret Voltaire in der Geschichte der Performance und gehen mit unserem Programm der Frage nach, welche Bedeutung Performance innerhalb der Kunst und der Gesellschaft heute hat und morgen haben kann.

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Das Museum Cabaret Voltaire ist der Ursprungsort der weltweit bekannten Dada-Bewegung, die 1916 in Zürich entstanden ist. Das Programm des Cabaret Voltaire lebte und lebt stark von der Besonderheit des Ortes: dem Saal für Aufführungen und Aktivitäten unterschiedlichster Art, dem Barbetrieb, den zugänglichen Räumen davor und darunter, dem Eingangsbereich, der die Tür zur Stadt und zugleich zur Welt bildete und bildet.

1916 war das Cabaret Voltaire ein Ort, an dem die damalige durch Krieg und Exil geprägte Gegenwart das Bedürfnis weckte, sich von den gegebenen Zeit umständen und ihren ideologischen Verengungen radikal (negativ) abzusetzen, um stattdessen neue Weisen der Kooperation und Kritik, experimentelle Formen der Aufführung und Inszenierung sowie neu entdeckte Medien der Reflexion und Dokumentation zu erproben. Dada war insgesamt keine Kunstrichtung, die sich in erster Linie mit der Vergangenheit sowie überhaupt mit dem bereits Bekannten befasste. Viel mehr setzte Dada in zuvor ungekannter Radikalität auf die Auseinandersetzung mit dem, was noch unbekannt war, mit dem, was gerade in der Gegenwart passierte oder noch passieren könnte, um daraus Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Zur «Erbschaft» von Dada gehört deshalb die Frage: Worauf wird man später einmal zurück kommen können? Antworten auf diese Frage können immer nur in der jeweiligen Gegenwart formuliert werden. Das ist das Besondere an Dada, auch jenseits von 1916: Nicht ein Stil, nicht ein bestimmtes politisches Programm und nicht ein fest stehender Inhalt war kennzeichnend für Dada, sondern die Einsicht, dass jede Gegenwart ihre eigenen Mittel und Wege finden muss, um sich möglichst frei aus sich heraus bewegenzu können: künstlerisch, gesellschaftlich, lebenspraktisch.

Das Programm des Cabaret Voltaire versucht diese Einsichten der Dadaisten aus heutiger Sicht, für die heutige Situation zu befragen und sie erneut fruchtbar zu machen. Die Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe enthält zwar eine Komponente der Dokumentation von Geschichte; doch sie kann sich nicht darin erschöpfen. Denn Dada war schon immer auf die Zukunft ausgerichtet, und deswegen giltes auch, die Vergangenheit von Dada nicht als statisch zu begreifen. Vielmehr soll diese Vergangenheit immer wieder neu auf ihre Aktualität für die Gegenwart und Zukunft hin befragt werden.

Die damaligen Aktivitäten der Dadaistinnen und Dadaisten bewegten sich alle samt in Spannungsfeldern: zwischen Kunst und Nicht-Kunst, Planung und Zufall, Sinn und Unsinn, Behauptung und Realisierung, lokalen Besonderheiten und internationaler Vernetzung, intensiven Live momenten und – was oft vergessen geht – Bestrebungen nach Anerkennung und Dauer. Diese Spannungsfelder bestehen auch heute noch. Sie sind unauflöslicher Teil der fortlaufenden Geschichte von Dada. Das Programm des Cabaret Voltaire ist sich dessen bewusst, ortet diese Spannungen in ihrer jeweils aktuellen Ausprägung und arbeitet mit ihnen. Sie unterzieht sie so einem permanenten «Gegenwarts-Check».

Vorstand Verein Cabaret Voltaire 2018