Stefan Burger

Gebüsch

Das Brütiseller Gebüsch

Urban ist krank. Urplötzlich wird er von dem ranzigen Dämon Frott verfolgt dessen Nähe (der stinkende Lederschatten ist ihm stets dicht auf den Fersen) ihm seinen Verstand und seine Klarheit verunschärft und ihn wechselweise mit optisch grotesken Hautkrankheiten und/oder mit einer ultra militanten Geilheit belegt.
Urban bleibt nichts anderes übrig als zügig davon zu spazieren und zu versuchen den fiesen Lederlappen auf diese Weise abzuschütteln - was ihm nicht gelingt. Im Gegenteil. Er muss sich auch noch um den unselbständigen Frott kümmern.
Schliesslich flieht er sich in ein Gebüsch in Brütisellen um dort mit der behutsamen Beobachtung seiner Füsse neue Wegführungen für sein zukünftiges Leben zu erschliessen.

Stefan Burger nimmt sich eine «Verfilmung von Lucius Burckhardt» vor. Ausgehend von Burckhardts Spaziergangswissenschaft, insbesondere den Ideen aus «Wer plant die Planung» und «Warum ist Landschaft schön?» macht Burger ein filmisches Portrait der Spaziergangswissenschaften, das im dokumentarisch pseudosoziologischen Gewand daherkommt und in einem Kinospielfilm von 30 Minuten sogar eine Liebesgeschichte enthalten wird.

Filmscreening: 10. Juni 2015, 20:30 im Cabaret Voltaire (nicht im Stüssihof!)

in der Hauptrolle:
Urban Zellweger als Urban

in den Nebenrollen:
Flavio Merlo als Frott und Sveta Buerki als Sunrise

Make up und Ausstattung: Linda Semadeni, Julia Moritz

Musik: Flavio Merlo, Alban Schelbert, Stefan Burger

Bericht aus Venedig

Stefan Burger fand nach einer fast zweitägigen Irrfahrt von Stromboli, im Äolischen Meer, wohin schon Odysseus wieder zurückgetrieben wurde, dann doch noch den Weg nach Venedig: ausgerechnet auf eine Architekturbiennale. In einer unscheinbaren und charakterschwachen Carlo Scarpa Villa, die sich auf dem Lido direkt an einem Mückenkanal befindet, lebte er mit Studierenden der ETH zusammen, welche im Zuge der Architekturbiennale im Schweizer Pavillon singend den BesucherInnen die Arbeit von Lucius Burckhardt und Cedric Price näherbrachten. Enzo Valerio, einer der Studierenden, legte sich alsbald ein flottes Motorboot zu das mit dem klebrigen Namen «StickySelfiestick» getauft und mit selbst angefertigten Flaggen (Klopapierrollen und Duschvorhangring-Batik) ausgestattet wurde. Diese hippiesque Beflaggung ergänzte Rem Kolhaas’ Fundamentals Ausstellung’ als agile, schwer zu fassende Erweiterung in den städtischen Aussenraum. So schwirrte die Duschvorhangringbatik um das Biennalegelände wie auch die zahlreichen aggressiven Tigermücken die mitunter den einzigen Biss in die karge Displaywüste dieser, in ihren letzten Tagen sichtlich ausgelatschten Architekturbiennale brachten.