Paul Polaris

Tohu wâ bohū

Mit grossen, goldenen und bedruckten Ballonen zieht Paul Polaris in einer feierlichen Prozession vom Kunsthaus Zürich in die Predigerkirche. Die auf den Ballonen abgebildeten Leber, Milz, Herz, Niere und Lunge verdichten sich in der Kirche zu einem organischen Deckengemälde. Ein pneumatischer Bildersturm, deren Höhepunkt die Feier und Heiligsprechung des Organischen sein wird. Im Rahmen der Publikation «Invent the Future with Elements of the Past» widmet sich die Religionswissenschaftlerin und Autorin Dolores Zoe Bertschinger den Organen auf goldenem Grund, fragt nach den Ikonen der Gegenwart und danach, was die altehrwürdigen Väter der Zürcher Reformation wohl zu der Bilderstürmerin gesagt hätten.

Prozession zur Predigerkirche, Treffpunkt Kunsthaus Zürich: Samstag, 18. April 2015, 14:00

Das Deckenbild in der Predigerkirche ist bis am Mittwoch Abend 22. April in der Predigerkirche zu sehen.

Bericht aus Venedig

Auf die Einladung, für eine Recherche nach Venedig zu fahren, zeigte Paul Polaris ein starkes Interesse an den Deckengemälden in den venezianischen Kirchen und imaginierte diese in die seit der Reformation bildlosen Zürcher Kirchen. Trotz dieser sehr konkreten Vorstellung war in Venedig noch viel Platz für Spaziergänge mit Burckhardt. Gemäss Burckhardts Spaziergangswissenschaft trägt der Kontext eines Gebäudes stark zu dessen Bedeutung bei. Der Weg dorthin, wie beispielsweise der Weg vom Bahnhof zu einem Rathaus, sei essenziell dafür, dass das Rathaus als Rathaus erkannt würde. Es ist der Kontext der «sagt», was das Gebäude ist. Für Burckhardt gab es nur drei Orte, an denen diese Narration des Kontextes noch funktioniert: Disneyland, Shopping Mall und die denkmalerische Altstadt. Polaris ist dieser Narration gefolgt und siebenmal vom Lido in die Basilica di San Marco gepilgert, um dort den Blick nach oben an die goldene Decke mit den zahlreichen Heiligen zu richten.