Navid Tschopp

Squatbox

An Orten ehemaliger Zürcher Kultursquats installiert Navid Tschopp digitale Gedenktafeln, die er Squatboxes nennt. Diese Squatboxen enthalten Texte, Konzertaufnahmen, Bilder und andere Informationen zu den ehemaligen Kulturbesetzungen an den entsprechenden Orten, welche via Smartphone über ein offenes WLAN-Netzwerk zugänglich sind. Tschopp verweist damit auf einen Text von Lucius Burckhardt «Der kleinstmögliche Eingriff», in welchem Burckhardt das Squatting als kulturellen Einstieg in die Stadt bezeichnet. Das Projekt ist langfristig angelegt mit dem Ziel, durch die virtuelle Überlagerung aller Kultursquats im Spaziergang eine alternative Stadtentwicklung, die sich der «Planung von Oben» entzogen hat, zu entdecken.

Standorte:
Cabaret Voltaire, Kalkbreite Zürich und weitere.

Beteiligte:
Andreas Guntermann, Programmierung Squatbox
Kasama Widerstandsarchiv
Thomas Stahel, Stadtlabor
Neville Pfenninger, k-set, Radio Lora
Caro Cerbaro, Design

Stadtrundgang mit Navid Tschopp entlang dem alternativen Stadtbild
Samstag, 30. Mai 2015, 15:00

Bericht aus Venedig

Navid Tschopp reiste als erster nach Venedig und blieb am längsten. Er hatte sich vorgenommen, eine Arbeit, die er in Zusammenarbeit mit Lina Tyroller in Zürich realisiert hatte, in Venedig weiterzuführen. Dabei wird die Nachbarschaft mittels Untersuchung der WLAN Netzwerknamen erkundet und es entstehen Gedichte wie z.B. «Marcus – Chelas my Friend – Crisa – gelb – Homer – hood – MJ – Rakte-Lizi-2.4 – UPC Wi-Free – ZeroCool». In Venedig liess er sich hierfür in einer Gondel durch die Kanäle treiben. Dabei trug der Gondoliere die entsprechenden WLAN Namen in der Art und Weise vor, wie er Touristen durch die Stadt führt. Neben dieser touristischen Annäherung an Venedig verfolgte Tschopp auch alternative Spuren wie kulturelle Zwischennutzungen. Diese Elemente will Navid Tschopp weiterverfolgen. Mit subtilen Eingriffen will er Denkmalpflege und Heimatschutz für besetzte Häuser betreiben und an Orten, wo früher besetze Häuser und kulturelle Zwischennutzungen waren, Dokumentationsmaterial über diese Nutzungen zugänglich machen und damit diesen Orten ein Denkmal schaffen. Tschopp folgt damit der Forderung von Burckhardt, Orte nicht nur aufgrund ihrer räumlichen Situation zu verstehen, sondern auch aufgrund ihrer zeitlichen und historischen Entwicklung.