|
|
|
Dada Zürich
«1916 Februar. In der düstersten aller Gassen, im Schatten von Häuserschluchten, wo man taktvollen Detektiven im Rotlichtberzirk begegnet GEBURT Geburt des CABARET VOLTAIRE». (Tristan Tzara, Chronique Zurichoise)
Ein Kreis junger Emigranten mit Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Tristan Tzara und Marcel Janco eröffnete am 5. Februar 1916 in der «Künstlerkneipe Voltaire» das Cabaret. Jeder Beitrag war ohne Rücksicht auf seine künstlerische oder literarische Richtung willkommen. Was multikulturell als Protest gegen den ersten Weltkrieg begann, machte die Kleinbühne im Handumdrehen zu einem «Tummelplatz verrückter Emotionen» und wurde zum Urei der Moderne schlechthin. Für ihre explosive dadaistische Mixtur machten die Dadaisten Anleihen beim Futurisums und Kubismus wie auch bei der afrikanischen Kunst und mittelalterlichen Mystik; sie bestand aus Laut-, Simultan- und bruitistischen Gedichten, Collagen, Fotogrammen, Assemblagen, abstrakten Tänzen und musikalischen Exkursen in die Atonalität. Das «Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind» bleibt als Geisteshaltung bis heute virulent; als Kunstrichtung ist es nicht fassbar.
Die Vokabel «Dada» Etikett und Zauberformel zugleich wurde erstmals im Frühling 1916 in der Anthologie «Cabaret Voltaire» als Bezeichnung für die Bewegung genutzt. Nach der Schliessung des Cabarets (Juli 1916) nahm der Dada-Geist in den illustrierten Publikationen der «Collection Dada» (ab Juli 1916), in der «Galerie Dada» im Sprünglihaus an der Bahnhofstrasse (März bis Mai 1917), in der Zeitschrift «Dada» (ab Juli 1917) sowie an Soirées, Ausstellungen und durch provokative Falschmeldungen in der Presse Form an. Der Zürcher Dada-Kreis hatte sich u.a. um Sophie Taeuber, Richard Huelsenbeck und Hans Richter erweitert und mit Christian Schad und Walter Serner seine Dependance in Genf. Der Abgesang erfolgte im November 1919 in «Der Zeltweg». Bereits hatte sich das «Mouvement Dada» auf andere Städte ausgebreitet. Im Sinne der dadaistischen Maxime «Dada ruht nie Dada vermehrt sich» entstanden Dada-Zentren und -Filialen in Berlin, Köln, New York, Paris, in Holland, Belgien, Russland, Japan, ...
|
|
|