AUSSTELLUNG

Krypta und Saal Archiv


DADA NEW YORK II (Krypta und Saal)

DADA NEW YORK II

Bild: Readykea, A Modular System for a Mobile Exhibition, by Conceptual Devices, Antonio Scarponi_Arch

01.12.2011 - 19.02.2012
Dada New York II: The Revolution to Smash Global Capitalism
Start: 01.12.2011 18:00
Peak: 05.02.2011
Mit The Yes Men, Reverend Billy, Voina Group, Conceptual Devices, Irwin, Königreiche von Elgaland-Vargaland, Mac Ghillie, !Mediengruppe Bitnik, UBERMORGEN, Roland Wagner und anderen Kollaborateuren


Als Marcel Duchamp und Francis Picabia 1913 nach New York kamen, waren sie beide begeistert von der Dynamik, die damals in New York herrschte. Picabia sprach davon, dass in New York die Zukunft der Kunst liegt.
Beide, Duchamp und Picabia, stellten ihre Art Kunst zu machen in New York radikal um und arbeiteten an der Zukunft der Kunst. Der eigentliche Höhepunkt dieser Bewegung war die „Fontaine“ von Marcel Duchamp, die er unter dem Pseudonym R. Mutt 1917 präsentierte. Die „Fontaine“ wurde 2005 zum bedeutensten Kunstwerk des 20sten Jahrhunderts ernannt.
Mit einer heutigen Perspektive, sollte eigentlich klar sein, was diese Zukunft war oder ist.
Als wir mit dieser Frage nach New York gingen, kamen wir vor allem mit Künstlern in Kontakt, die sehr politisch agieren und vielleicht mehr Aktivisten als Künstler sind.
Wie das Beispiel der „Fontaine“ oder wussten die New Yorker Dadaisten, wie das „System“ gekonnt auszutricksen war, wie man mit Hoax und Falschmeldungen als Trickster und Prankster (Schlingel) die Menschen zum Nachdenken bringen konnte.
Sie lancierten in New York sehr elegant und dandyhaft einen Protest, der indirekt und mit Witz und Schalk einen Effekt hatte.
Das ist ein Merkmal, das auch die Aktivisten, mit denen wir in New York zu tun hatten, aufwiesen. Daher haben wir uns entschieden, diese „kreativen Aktivisten“ oder „politischen Künstler“ mit dem Projekt „Dada New York II: The Revolution to Smash Global Capitalism“ genauer zu betrachten.

In einem Gespräch mit The Yes Men erkannten dies, dass ihre Aktionen mit Dada in Verbindung stehen. The Yes Men realisierten, dass die Ursprünge ihrer Aktionen, mit Dingen zu tun haben, die sie als Teenager selbst schon als „Dada“ bezeichnet haben. Sie beschreiben Dada als „Making nonsense in the middle of suburbian capitalism“ und die Bedeutung ihrer Aktionen wie folgt: „It was meant to disrupt the rationality.“
Mit Hilfe von subversiven Kommunikationsformen (Kommunikationsguerilla) geben sich The Yes Men als Repräsentanten internationaler Konzerne oder Institutionen aus und karikieren mit übertriebenen Forderungen z.B. auf Konferenzen deren Ziele (Überidentifikation). Sie selbst bezeichnen dies als «Identitätskorrektur» («identity correction»).
Hinsichtlich der Ausstellung „The Revolution to Smash Global Capitalism“ ist folgendes Zitat aus dem Jahr 1913 von Hugo Ball interessant: „So stellten sich 1913 Welt und Gesellschaft dar: das Leben ist völlig verstrickt und gekettet. Eine Art Wirtschaftsfatalismus herrscht und weist jedem Einzelnen, mag er sich sträuben oder nicht, eine bestimmte Funktion damit ein Interesse und seinen Charakter an“ (Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit, 1923)
Schon früh erkannte Ball, dass das Individuum dem aufstrebenden kapitalistischen System untergeordnet ist, und dabei an ein bürgerlich-moralisches Wertesystem gekoppelt ist.
Dada arbeitet zwar mit den Strategien wie Humor und Satire, doch im Wesentlichen verfolgt Dada wie auch The Yes Men das gleiche Ziel: Gesellschaftliche Missstände aufzudecken und zugleich ad absurdum zu führen, wobei der Gedanke im Vordergrund steht, alternative Gesellschaftsmodelle auszudenken und zu kreieren.

The Yes Men helfen mit ihrem Yes Lab verschiedenen Revolutionären ihre Ideen medienwirksam zu realisieren. Sie begleiten dabei die Revolutionäre von der Idee bis hin zum „Spoof“ oder „Hijinks“, wie sie die aufmerksamkeitserregende Umsetzung nennen.
Daduch gibt es ein grosses Netzwerk von Menschen, die an der Revolution arbeiten. Es geht nicht darum, wie verschiedene NGO‘s und karitative Unternehmen, das Symptom, wie Hunger und Ausbeutung zu bekämpfen, sondern direkt an der Ursache anzusetzen, welche zu all den Missständen in der Menscheit führt, am globalen Kapitalismus.
Es ist auch die Revolution, die im Moment gerade passiert, die „Occupy-Wall Street“ Bewegung, der Aufstand der „Empörten“ in zahlreichen Städten rund um die Erde. Viele Menschen sehen das auch im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling.
The Revolution to Smash Global Capitalism ist ein kreativer, nicht gewaltätiger und künstlerischer Protest gegen den Kapitalismus und für eine Reform oder Überwindung des Kapitalismus.

Mit The Yes Men wollen wir den Begriff und die Funktion des Revolutionärs neu definieren, als einen, der viel mehr als Trickster und Prankster arbeitet und weniger als militanter Kämpfer einer grösseren Idee.
Das Cabaret Voltaire als Geburtsort von Dada soll folglich ein identitätsstiftender Ort sein, an dem sich die Revolutionäre vom Mythos inspirieren lassen können, um als Trickster, Prankster und Dandies die Revolution zu starten. Quasi eine Revolution mit Haltung, angesichts der Haltlosigkeit unsere Zeit und des Globalen Kapitalismus.

Abgesehen davon, den globalen Kapitalismus zu Boden zu bringen, ist unser Ziel, die Strategien von Dada in die Revolution von heute zu überführen und daraus eine neue Art von Protest zu lancieren, die mit Witz, Eleganz und Intelligenz geschieht. Eine Revolution, die „sexy“ ist, so dass sie auch „normale“ Leute erreicht und nicht nur die üblichen „Linksalternativen“ oder „Radikalen“. Quasi den Dandy zum Revolutionär zu machen.
Daher arbeiten wir mit folgendem Slogan

Yesterday: Greenpeace - Today: The Yes Men - Tomorrow: You!

Um dieses Redesign der Revolution zu erreichen, wollen wir so viel wie möglich von The Yes Men und ihrem Netzwerk lernen. Dies machen wir mit einem „Device“, mit Workshops und Vorträgen und mit Aktionen. So wollen wir am Ende diese Prozesses sogar einen Schritt weiterkommen als The Yes Men und neue Strategien zur Revolution aufzeigen.

Device, Aktionen, Präsentationen, Workshops

Dieses Projekt ist ein work in progress, da wir sehr auf die Mithilfe von anderen – von den „Tomorrow: You!“ – angewiesen sein wollen.
Es gibt einen Start, 01.12.2011, einen Peek am 05.02.2012 und ein Ende der Präsentation im Cabaret Voltaire am 19.02.2012.
Ab dem 01.12.2011 bis zum 19.02.2012 wollen wir mit dem Architekten Antonio Scarponi in der Krypta des Cabaret Voltaire an einem Device für „The Revolution to Smash Global Capitalism“ arbeiten.
Am 05.02.2012, dem 96sten Geburtstag von Dada, findet eine Konferenz mit The Yes Men, Revernd Billy und anderen lokalen Aktivisen und Künstlern zu „The Revolution to Smash Global Capitalism“ im Cabaret Voltaire Saal statt.
Während dem gesamten Zeitraum vom 01.12.2011 bis zum 19.02.2012 finden weitere Präsentation, Diskussionen und vor allem Aktionen mit Otpor, der Voina Group, Reverend Billy, The Yes Men, MacGhillie und anderen lokalen Künstlern in Zürich und auch ausserhalb Zürichs statt.

Im Moment werden Informationen zu „The Revolution to Smash Global Capitalism“ auf folgendem Blog zusammengetragen:

dada.guaud.ch/






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